Bremen,

Gespräch mit Rolf Fraedrich, 50 Jahre ehrenamtlich im THW

Moin Rolf, nun bist auch du im Kreis derjenigen, welche 50 Jahre ehrenamtlich im THW mitwirken. Du bist im November 1972 in das THW eingetreten, wir kennen uns von der ersten Stunde an und haben in den letzten Jahrzehnten vieles gemeinsam gemacht, dazu aber später noch.
Rolf Fraedrich - 50 Jahre im THW. Foto THW

Rolf Fraedrich - 50 Jahre im THW. Foto THW

JK: Meine erste Frage: Wie bist du auf das THW gekommen, was hat Dich damals dazu bewegt hier mitzumachen?

RF: Mein Vater gab mir den Rat statt zur Bundeswehr, doch zum THW zu gehen. Gesagt getan und auf zehn Jahre verpflichtet.

JK: Was hat dich dann, nach Ablauf der 10 Jahre, dazu bewogen weiterhin im THW tätig zu sein?

RF: THW war einfach mein Ding. Das THW wurde nach Eintritt schnell zu meinem Hobby. Es machte einfach Spaß. Die Leute hier sagten mir was, und zwar etwas, dass ich im Beruf als Lehrer nicht bekommen konnte, aber menschlich brauchte. Zudem konnte ich hier auch viele handwerkliche Fähigkeiten erlernen.

JK: Nach deiner Grundausbildung führte dein erster Weg als Helfer zur Elektrogruppe des Instandsetzungsdienstes. Dort hast du weitere Aufgaben in führender Stelle wahrgenommen. Wie setzte sich deine Karriere im Instandsetzungszug fort?

RF: Zuerst war ich natürlich ersteimal Helfer in der Elektrogruppe und das wirklich gerne. Recht bald wurde ich dort Truppführer und später im damaligen Instandsetzungszug Zugtruppführer.

JK: Aufgrund von Aus- und Fortbildungslehrgängen an der THW-Bundesschule hast du weitere Aufgaben/Funktionen im THW wahrgenommen. Beruflich bedingt musstest du auch den OV wechseln. - In welchen Funktionen warst du in den letzten 5 Jahrzehnten tätig?

RF: Wie gesagt ich war lange Zugtruppführer im I-Dienst, sowohl in Bremen, als auch in Bremerhaven, wo es mich für anderthalb Jahre beruflich hin verschlug. Kurz leitete ich wieder zurück in Bremen mal die sogenannte Fernmeldezentrale HVB oder einen Erkundungs- und Lotsentrupp. Dann kam die langwierige Ausbildung zum Leiter einer TEL und weiter zum Fachberater im Stab. In letzterer Funktion war ich schier Jahrzehnte für das THW tätig.

JK: Wir waren viele Jahre im Stab Rettung und Technische Abwehr bei der Feuerwehr hier in Bremen als Fachberater tätig. An welchen größeren Einsätzen national hast du teilgenommen.

RF: Nun, lange führte das THW in Bremen neben der Berufsfeuerwehr eher ein Schattendasein. Das THW war wenig in Bremen eingesetzt, aber z.B. bei dem Einsatz Gasexplosion im Geschworenen Weg in Bremen im Jahr 2000 oder beim Hochwasser an der Elbe im Jahr 2002 beteiligt.

JK: Thema Auslandseinsatz. Wir haben uns zweimal auf einem Flughafen im Einsatzland getroffen. Ich ging in den Einsatz, du warst auf den Heimweg nach Deutschland. An welchen Auslandseinsätzen hast du teilgenommen und in welcher Funktion?

RF: Ich hatte das große Glück fünfmal mit dem THW in einen Auslandseinsatz gehen zu dürfen. Viermal war ich als Führungskraft in der Logistik tätig. Das war im Sudan (1994), in Ruanda (1996), in Kenia (1998) und in Frankreich (2000). Nach dem Hurrikan Katrina im Jahr 2005 wurde das deutsche THW in den USA in New Orleans eingesetzt, um umfangreichste Pumparbeiten vorzunehmen. Ich war dort drei Wochen im ersten Ablöseteam als stellvertretender Einsatzleiter Vorort. Solche gewaltigen Zerstörungen hatte ich in meinem Leben noch nie vorher gesehen.

JK: Du hast dich auch in der THW-Helfervereinigung engagiert. Welche Aufgaben hast du dort ausgeübt?

RF: Ich war viele Jahre Schriftführer und zwar bei der Helfervereinigung meines Ortsverbands sowie auf der Landesebene Bremen.

JK: Was motiviert dich heute, nach 50 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit, immer noch aktiv im THW mitzuwirken?

RF: Ich kann mich hier sehr effektiv im Team sozial engagieren, meine Ausbildungen, meine Erfahrungen einbringen. Und zwar genau dann, wenn der normale Bürger schlauerweise, sozusagen „hinter dem warmen Ofen“, zu Hause bleibt. Dazu kommt die gelebte Kameradschaft im THW, das ist einfach toll zu erfahren.

Vielen Dank Rolf!

Das Gespräch mit Rolf Fraedrich führte Jürgen Kardel.

JK

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Zu den Bildern - Stationen innerhalb von 50 Jahren THW:

1: 2018 August – GFB-Übung

2: 1973 Grundausbildung

3: 1973 Oktober - Landeswettkampf E-Gruppen

4: 1984 Januar - Stabslehrgang

5: 1991 Februar - Übungsleitung Instandsetzungsdienst

6: 1994 März – Auslandseinsatz Sudan

7: 1998 März – Auslandseinsatz Kenia

8: 2005 November – Auslandseinsatz New Orleans

9: 2019 November – Zeitzeugeninterview Weserdurchbruch

10: 2020 Juli – Brückenbau im Harz


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